In St. Pölten fand heute ein Hintergrundgespräch zur Zukunft der Pflege und zur weiteren Zusammenarbeit mit Vietnam bei der Ausbildung von Pflegekräften statt. Im Mittelpunkt standen die Verlängerung und Ausweitung der Kooperation, die bisherigen Erfahrungen sowie die Frage, welchen Beitrag internationale Fachkräfte zur langfristigen Sicherung der Pflege in Niederösterreich leisten können. Am Gespräch nahmen Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister, Professor Markus Golla vom IMC Krems und Dr. Elisabeth Bräutigam, Vorständin für Medizin und Pflege der NÖ Landesgesundheitsagentur, teil.
„Dieses Projekt hat uns von Anfang an viel Herzblut gekostet“, meinte Teschl-Hofmeister, die auch betonte: „Unser Ziel ist klar: Die Pflegekräfte aus Vietnam sollen dazu beitragen, dass unser Pflegesystem auch in Zukunft aufrechterhalten und weiter verbessert werden kann. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Pflege günstiger zu machen oder unseren heimischen Pflegekräften Arbeit wegzunehmen. Im Gegenteil: Diese internationale Kooperation ist eine Unterstützung und Entlastung für unsere heimischen Pflegekräfte, die das Rückgrat der Pflege in Niederösterreich bilden und tagtäglich für Sicherheit, Zuwendung, menschliche Nähe und bestmögliche Betreuung sorgen.“
Die Landesrätin führte weiter aus: „Derzeit sind 69 Pflegekräfte aus Vietnam in Niederösterreich im Einsatz. Das entspricht rund 1,7 Prozent der Pflegekräfte und zeigt deutlich, dass es sich um eine ergänzende Maßnahme handelt." Gleichzeitig wisse man, dass es auch künftig viele Wege in den Pflegeberuf brauche. Mit der Möglichkeit, aus der Schule in Pflege und Betreuung zu wechseln, sowie mit der neuen Pflegelandkarte setze Niederösterreich auf viele unterschiedliche Zugänge. Aber selbst, wenn alle Möglichkeiten in Österreich und Europa ausgeschöpft würden, werde dies angesichts der demografischen Entwicklung nicht ausreichen. Deshalb müsse man auch internationale Kooperationen weiterentwickeln, erläuterte Teschl-Hofmeister.
Sie betonte weiters, dass für die Pflegekräfte aus Vietnam dieselben hohen beruflichen Anforderungen gelten würden wie für Österreicherinnen und Österreicher bzw. für die anderen Pflegekräfte in der Landesgesundheitsagentur. Die Pflegekräfte würden bereits in Vietnam Deutsch lernen und müssten die notwendigen fachlichen und sprachlichen Voraussetzungen erfüllen. Sie seien keine Pflegekräfte zweiter Klasse, sondern würden bei gleicher Qualifikation auch gleich entlohnt. Viele von ihnen würden bereits ausgezeichnet Deutsch sprechen, auch wenn der niederösterreichische Dialekt natürlich eine besondere Herausforderung darstelle. Das Land Niederösterreich investiert pro Jahr 600.000 Euro in das Projekt.
Niederösterreich wird nun weitere 110 Studierende nach Niederösterreich holen. Dabei setzt die Landesgesundheitsagentur bewusst auf Qualität, denn kleinere Gruppen ermöglichen eine bessere Begleitung. Elisabeth Bräutigam, Vorständin für Medizin und Pflege der NÖ Landesgesundheitsagentur, erläuterte: „Das Ankommen und der Dienstantritt sind für die neuen Kolleginnen und Kollegen immer eine besondere Herausforderung. Wenn dieser Schritt in einem anderen Land erfolgt, ist der damit verbundene Stress für alle Beteiligten noch einmal größer. Deshalb sind Fairness und Gleichbehandlung für uns ganz besonders wichtig. Die neuen Pflegekräfte sind gleich ausgebildet und erfüllen dieselben fachlichen Anforderungen. Unser Ziel ist es, die Mitarbeiterinnen langfristig in Niederösterreich zu halten. Dass einige unserer neuen Kolleginnen und Kollegen mittlerweile sogar im örtlichen Kirchenchor mitsingen, zeigt, wie gut Integration funktionieren kann.“
Professor Golla betonte, dass die Politik das Projekt von Beginn an sehr gut unterstützt habe. Die Integration funktioniere wunderbar und werde von vielen Beteiligten mitgetragen. Seit Beginn des Projekts im Jahr 2023 habe man zahlreichen Menschen eine berufliche Zukunft ermöglicht, die sie sonst in dieser Form nicht gehabt hätten. Eine besondere Herausforderung sei die Sprache: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer würden in Vietnam Hochdeutsch lernen und anschließend in eine Region kommen, in der im Alltag vielfach Dialekt gesprochen werde. Dazu komme noch die Pflege-Fachsprache. Bei der Betreuungsqualität dürfe es keine Abstriche geben, daher gelte derselbe Qualitätsanspruch wie bei den anderen Ausbildungen in Österreich. Die nächste Gruppe werde im Februar ihre Schulausbildung abschließen.
Weitere Informationen: Büro LR Teschl-Hofmeister, Pressesprecher Dieter Kraus, Telefon: 02742/9005-12655, E-Mail: dieter.kraus@noel.gv.at
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