30.03.2026 | 09:33

Energie, Wirtschaft und Sicherheit: Niederösterreich und Kroatien vertiefen strategische Partnerschaft

LH Mikl-Leitner: „Angesichts globaler Herausforderungen Energieversorgung sicherstellen und nachhaltig diversifizieren“

Arbeitstreffen von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mit dem Premierminister von Kroatien, Andrej Plenkovic.
Arbeitstreffen von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mit dem Premierminister von Kroatien, Andrej Plenkovic.© NLK KhittlDownload (1.5Mb)
Betriebsbesuch bei Austrotherm, von links nach rechts: Botschafterin Yvonne Toncic-Sorinj, Produktionsleiter Mladen Ivic, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Botschafter Daniel Gluncic und Bozana Kovacevic Covic (Managing Director Austrotherm Croatia).
Betriebsbesuch bei Austrotherm, von links nach rechts: Botschafterin Yvonne Toncic-Sorinj, Produktionsleiter Mladen Ivic, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Botschafter Daniel Gluncic und Bozana Kovacevic Covic (Managing Director Austrotherm Croatia).© NLK KhittlDownload (1.7Mb)
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mit dem kroatischen Verteidigungsminister Ivan Anusic.
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mit dem kroatischen Verteidigungsminister Ivan Anusic.© NLK KhittlDownload (1.2Mb)
Beim Arbeitsgespräch im kroatischen Verteidigungsministerium.
Beim Arbeitsgespräch im kroatischen Verteidigungsministerium.© NLK KhittlDownload (1.1Mb)

Inmitten großer energiepolitischer Unsicherheiten reiste Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner nach Kroatien, das sich zu einem zentralen Energie-Hub für Europa – von Erdgas bis hin zu grünem Wasserstoff – entwickelt. Im Zuge der Delegationsreise kam es zu Arbeitstreffen der Landeshauptfrau mit dem kroatischen Premierminister Andrej Plenkovic, mit Vizepremierminister und Verteidigungsminister Ivan Anusic sowie Wirtschaftsminister Ante Susnjar und dem Staatssekretär für Energie Vedran Spehar. 

„Je globaler die Herausforderungen, umso wichtiger ist es das Europa zusammensteht“, betonte die Landeshauptfrau im Rahmen der politischen Gespräche. Angesichts der globalen Krisen sei es entscheidend, einerseits die Energieversorgung sicherzustellen und andererseits auch nachhaltig zu diversifizieren, hielt sie fest. In Richtung Zukunft sei es vor allem wichtig, bei der Energiebeschaffung auf mehr Diversifikation zu setzen, betonte sie weiters. So soll vor allem die Abhängigkeit reduziert werden.  

Wir haben es zu Beginn des Ukraine-Kriegs erlebt und sehen es aktuell bei der Iran-Krise: Europas Energieversorgung ist sehr verletzlich. Die Energieversorgung ist die Achillesferse unserer europäischen Gemeinschaft. Daher muss Europa spätestens jetzt alles tun, um die EU mit leistbaren und verlässlichen Energiequellen zu versorgen. Wir müssen Europas Energieversorgung breiter aufstellen und unabhängiger machen. Nur so können wir Wirtschaftskraft und Wohlstand sichern“, betonte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner zu Beginn der Reise.   

Durch den Ausbau des Flüssigerdgasterminals auf der Insel Krk gewinnt Kroatien zunehmend an Bedeutung für die europäische Energieversorgung. Das Terminal ermöglicht den Import von Flüssigerdgas. Für die Weiterleitung nach Österreich und Bayern braucht es aber den raschen Ausbau der europäischen Pipeline-Infrastruktur, um das Terminal Krk als stabilen und zukunftsfähigen Energie-Hub für ganz Mitteleuropa zu verankern. „Gerade angesichts der Kriege in der Ukraine und im Iran zeigt sich wie wichtig dieser Schritt wäre. Hier ist Tempo gefordert. Kroatien könnte so einen wesentlichen Beitrag zur Energiesicherheit in Zentraleuropa leisten, sich zu einem internationalen Energieknoten für Erdgas und künftig auch für grünen Wasserstoff entwickeln und so zur Energiesicherheit im gesamten Donauraum beitragen“, betonte Mikl-Leitner. Die Gas-Pipelines von heute seien auch die Transportwege für Wasserstoff in der Zukunft, meinte sie. 

Neben der Energiepolitik tauschte man sich vor allem auch über wirtschaftliche Themen aus. Österreich ist der zweitgrößte ausländische Investor in Kroatien, so haben österreichische Unternehmen bis Ende 2024 rund 6,63 Milliarden Euro direkt in Kroatien investiert. Das Exportvolumen von Niederösterreich nach Kroatien hat in den letzten Jahren stark zugelegt. 2020 betrugen die Warenexporte 191 Mio. Euro, 2024 bereits 322 Mio. Euro. Das entspricht einer Steigerung von beinahe 70 Prozent innerhalb von fünf Jahren. „Diese Zahlen zeigen: Unsere wirtschaftlichen Beziehungen sind stark und haben großes Wachstumspotenzial. Gerade in den Bereichen Energie, Industrie und Infrastruktur sehen wir große Chancen für weitere gemeinsame Projekte,“ so Mikl-Leitner.

Ein weiterer Schwerpunkt des Treffens war die Modernisierung der Bahn-Infrastruktur. Beide Seiten hoben die Bedeutung leistungsfähiger Schienenkorridore zwischen den kroatischen Adriahäfen und Mitteleuropa hervor. Besonders der Hafen von Rijeka spielt dabei eine wichtige Rolle für den Güterverkehr von und nach Niederösterreich und könnte sich zu einem wichtigen europäische Logistik-Zentrum entwickeln. Ziel ist es, Transportwege zu verkürzen, den Güterverkehr verstärkt von der Straße auf die Schiene zu verlagern und damit sowohl die CO2-Emissionen zu reduzieren als auch die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaftsregion zu stärken. Geplant ist auch ein intensiver technischer Austausch zwischen Bahningenieuren und Infrastrukturplanern beider Länder, um grenzüberschreitende Projekte entlang des Adria–Mitteleuropa-Korridors zu beschleunigen. 

Niederösterreich spielt dabei eine zentrale Rolle: Mit rund 1.737 Kilometern verfügt das Bundesland über das dichteste Schienennetz Österreichs und beherbergt etwa ein Viertel der österreichischen Bahnindustrie. „Niederösterreich ist ein starker Technologiepartner für die Modernisierung der Bahninfrastruktur. Unsere Unternehmen können Kroatien bei Elektrifizierung, Digitalisierung und moderner Zugsteuerung unterstützen“, erklärte Mikl-Leitner. Österreich sei „Weltmeister in der Bahntechnologie“, zeigte sie sich überzeugt: „Wir in Niederösterreich arbeiten gerade an einem neuen Bahncluster mit einer eigenen Teststrecke ganz in der Nähe von Wien. Das könnte auch für Firmen aus Kroatien sehr interessant sein.“ 

Ein weiterer Schwerpunkt der Delegationsreise war das Thema Sicherheit als Wirtschaftsfaktor. Kroatien verfügt über einen starken Sicherheitssektor mit innovativen Betrieben – darunter das Technologieunternehmen DOK-ING, das auf robotische Systeme für gefährliche Umgebungen spezialisiert ist. Das Unternehmen beschäftigt rund 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ist in über 40 Ländern aktiv und gilt mit mehr als 80 Prozent Marktanteil als Weltmarktführer im Bereich robotischer Minenräumung; seine Systeme kommen unter anderem bei UN-Organisationen zum Einsatz. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner betonte in diesem Zusammenhang: „Aufgrund der aktuellen Lage rüstet Europa auf und wird in den nächsten Jahren rund 800 Milliarden Euro in Sicherheit und Verteidigung investieren. Wenn Europa in seine Verteidigung investiert, dürfen davon nicht nur die anderen profitieren. Da wollen wir auch für uns in Niederösterreich einen wirtschaftspolitischen Mehrwert erzielen. Niederösterreichs Betriebe haben in diesem Bereich sehr viel an Know-how, an Spezialisierung, an exzellenten Dienstleistungen und Produkten zu bieten.“ Gleichzeitig unterstrich sie das Potenzial einer engeren Zusammenarbeit zwischen kroatischen und niederösterreichischen Defence-Unternehmen und forderte vom Bund verbesserte Rahmenbedingungen, insbesondere gelockerte Exportbestimmungen, stärkere Industriekooperationen mit heimischen Betrieben sowie eine Verpflichtung zu Betriebsstandorten in Österreich. 

In ihrem Austausch bekräftigten Mikl-Leitner und Plenković auch ihre Unterstützung für die Initiative „Friends of the Western Balkans“. Beide betonten, dass ein zügiger EU-Beitrittsprozess für die Staaten des Westbalkans entscheidend für Stabilität, Frieden und wirtschaftliche Entwicklung in Südosteuropa sei. Niederösterreich sehe sich dabei als Partner und Brückenbauer für Reform- und Transformationsprozesse in der Region. Die Landeshauptfrau betont dazu. „Der Weg der Balkan-Staaten in die EU ist ein schwieriger, aber ein wichtiger Weg. Klar ist, dass für einen EU-Beitritt alle Kapitel abgeschlossen werden müssen. Gleichzeitig braucht es Perspektiven, damit sich gewisse Staaten nicht von Europa abwenden.“ Die Initiative „Friends of the Western Balkans“ unterstreiche dabei „das gemeinsame Interesse an einer beschleunigten, aber qualitätsvollen EU-Integration der Westbalkan-Staaten“, so Mikl-Leitner. Kroatien spiele dabei als EU-Mitglied eine wichtige Vorreiterrolle.

Eine stärkere europäische Integration des Westbalkans bringe auch konkrete wirtschaftliche Vorteile für Niederösterreich. Die Region ist bereits heute ein wichtiger Exportmarkt für niederösterreichische Unternehmen. Ein EU-Beitritt würde stabile Rechtsstandards schaffen, Handelsbarrieren abbauen und die Investitionssicherheit erhöhen. Gleichzeitig spielt der Westbalkan eine wichtige Rolle bei der Deckung des Fachkräftebedarfs - ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit der niederösterreichischen Wirtschaft. „Ein stabiler und integrierter Westbalkan ist im ureigenen Interesse Europas – politisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch,“ so Mikl-Leitner. 

Das Thema Beitritt der Westbalkan-Staaten zur EU steht auch im Mittelpunkt des diesjährigen Europa-Forums Wachau von 18. Mai bis 22. Mai. Die Landeshauptfrau dazu: „Heuer begehen wir das 30-jährige Jubiläum des Europa-Forums Wachau unter dem Motto ,The Next 30‘. Der Fokus liegt auf Themen wie Sicherheitspolitik und europäische Integration, aber auch auf Themen der Wirtschaft, vor allem Energiewirtschaft und Verteidigungsindustrie“. Gerade beim Thema Sicherheit erwartet man sich wichtige Impulse von Ex-NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, der zum Europa-Forum kommen wird.  

Im Anschluss an die politischen Gespräche besuchte die Delegation ein Produktionswerk der österreichischen Unternehmensgruppe Austrotherm im kroatischen Zabok. Das Unternehmen investierte rund 12 Millionen Euro in moderne Produktionsanlagen für Dämmstoffe und realisierte rund 30 neue Arbeitsplätze. „Der Besuch bei Austrotherm zeigt, wie erfolgreich österreichische Unternehmen in Kroatien investieren und gleichzeitig Innovation und Beschäftigung schaffen“, sagte Mikl-Leitner. „Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie wirtschaftliche Zusammenarbeit beiden Ländern zugutekommt.“ 

Doch nicht nur Austrotherm, auch zahlreiche weitere niederösterreichische Betriebe sind erfolgreich in Kroatien engagiert. So ist DOKA mit mehreren Niederlassungen vertreten. Die Rhenus Beteiligungs GmbH hat durch die Übernahme des Logistikunternehmens Trans Integral ihre Marktposition weiter gestärkt. Auch Cargo Partners baut seine Kapazitäten in Kroatien kontinuierlich aus. Mit der EVN verfügt Kroatien zudem über einen verlässlichen Partner im Bereich der Gasverteilnetze. Die internationale Transportorganisation LKW WALTER ist im kroatischen Logistiksektor fest etabliert, und mit der RWA Raiffeisen Ware Austria AG ist auch ein bedeutendes Unternehmen aus dem Agrarsektor vor Ort aktiv.

Weitere Bilder

Arbeitstreffen von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mit dem Premierminister von Kroatien, Andrej Plenkovic.
Arbeitstreffen von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mit dem Premierminister von Kroatien, Andrej Plenkovic.© NLK KhittlDownload (1.6Mb)

Arbeitstreffen von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mit dem Premierminister von Kroatien, Andrej Plenkovic.

Arbeitstreffen von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mit dem Premierminister von Kroatien, Andrej Plenkovic.
Arbeitstreffen von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mit dem Premierminister von Kroatien, Andrej Plenkovic.© NLK KhittlDownload (1.7Mb)

Arbeitstreffen von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mit dem Premierminister von Kroatien, Andrej Plenkovic.

: Betriebsbesuch am kroatischen Standort der Firma Austrotherm: Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mit Standortleiter Mladen Ivic.
: Betriebsbesuch am kroatischen Standort der Firma Austrotherm: Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mit Standortleiter Mladen Ivic.© NLK KhittlDownload (1.6Mb)

: Betriebsbesuch am kroatischen Standort der Firma Austrotherm: Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mit Standortleiter Mladen Ivic.

Betriebsbesuch bei Austrotherm, von links nach rechts: Botschafterin Yvonne Toncic-Sorinj, Produktionsleiter Mladen Ivic, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Botschafter Daniel Gluncic und Bozana Kovacevic Covic (Managing Director Austrotherm Croatia).
Betriebsbesuch bei Austrotherm, von links nach rechts: Botschafterin Yvonne Toncic-Sorinj, Produktionsleiter Mladen Ivic, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Botschafter Daniel Gluncic und Bozana Kovacevic Covic (Managing Director Austrotherm Croatia).© NLK KhittlDownload (1.9Mb)

Betriebsbesuch bei Austrotherm, von links nach rechts: Botschafterin Yvonne Toncic-Sorinj, Produktionsleiter Mladen Ivic, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Botschafter Daniel Gluncic und Bozana Kovacevic Covic (Managing Director Austrotherm Croatia).

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